I`am
Wer bin ich, bevor ich mich beschreibe? I am beschäftigt sich mit Identität und mit jenem unmittelbaren Moment des Seins, der jeder Zuschreibung vorausgeht. Im Laufe eines Lebens entstehen viele Vorstellungen darüber, wer wir sind. Namen, Rollen, Erfahrungen, Beziehungen und Erwartungen verdichten sich zu einem Bild von Identität. Sie geben Orientierung – können aber ebenso begrenzen, wenn das Gewordene mit dem verwechselt wird, was wir grundsätzlich sind. Mich interessiert in dieser Werkgruppe der Raum hinter diesen Festlegungen. Was bleibt, wenn wir für einen Augenblick nicht erklären müssen, wer wir sind? Wenn Vergangenheit, Funktion und Erwartung zurücktreten und Wahrnehmung wieder unmittelbar werden darf?
I am versteht Identität deshalb nicht als abgeschlossene Form, sondern als etwas Lebendiges. Etwas, das sich fortwährend in Beziehung zur Welt verändert und dennoch einen inneren Ausgangspunkt besitzt. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Verdichtung und Offenheit, Präsenz und Veränderung. Sie fragen nicht nach einer endgültigen Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“, sondern nach dem Raum, aus dem diese Frage überhaupt entstehen kann. Vielleicht liegt darin eine der schlichtesten und zugleich grundlegendsten Erfahrungen: Ich bin. Noch bevor ich definiere, was dieses Ich sein soll.

